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  • Thorsten Klossner

Erst frei, dann pleite. Bin ich wirklich zum/zur Unternehmer*in geeignet?

Immer wieder ist zu lesen, dass Existenzgründer schon in den ersten Jahren nach der Gründung scheitern. Das ist leider eine statistisch belegbare Tatsache. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Neben den üblichen Gründen wie: Falsche Markteinschätzung, fehlendes Alleinstellungsmerkmal, unzureichende Finanzierung sind gewichtige, aber nicht die einzigen Gründe, warum Menschen, die den Schritt in eine selbstständige Existenz wagen, schon nach wenigen Monaten oder Jahren wieder aufgeben müssen. Ich stelle allen Gründungsinteressierten und Gescheiterten die "provokante" Frage:




Ist der Gründer oder die Gründerin wirklich für die Selbständigkeit geeignet?




Neben der absoluten fachlichen Qualifikation, die Voraussetzung für eine erfolgreiche Selbstständigkeit sind, sind es die sog. "Unternehmer Skills". Bevor Sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, stellen Sie sich folgende Fragen und beantworten Sie diese für sich offen und ehrlich. Sich selbst zu belügen kann im schlimmsten Fall in den Ruin führen.


Habe ich das Unternehmer-Gen?

Selbstständigkeit bedeutet nicht - wie häufig angenommen - frei zu sein in seinem Denken, Tun und Handeln. Markt, Kunden, Lieferanten, Partner oder auch finanzieller Druck zerren an dieser erhofften Freiheit. Man muss zu Zeiten arbeiten, wenn andere auf dem Sofa liegen und chillen. Möglicherweise Projekte oder Aufträge annehmen, die man eigentlich nicht machen will. Man muss sich um Sachen kümmern, die den Entrepreneur nicht interessieren und von denen man auch keine Ahnung hat (Buchhaltung, Liquditätsplanung, Kundenakquise, Investoren-Pitches usw. - WILL ICH DAS WIRKLICH?


Habe ich das nötige Durchhaltevermögen?

Selbständigkeit ist ein Marathonlauf und kein Sprint. Wer glaubt heute selbstständig - morgen reich der irrt für gewöhnlich (mit wenigen Ausnahmen). Wer erfolgreich werden will, braucht einen langen Atem. Bis der Markt Ihr Angebot und Sie kennt dauert es gewöhnlich Jahre. Haben Sie die Zeit und das Durchhaltevermögen, sowie den finanziellen Spielraum?


Bin ich resilient genug?

Hinfallen, Krone richten und wieder aufstehen - klingt toll und einfach - ist es aber nicht. Es werden häufig Rückschläge kommen wie z.B.: sicher geglaubte Aufträge kommen doch nicht zustande, Investoren springen ab, die Entwicklungszeiten dauern länger, als geplant, das eingestellte Personal performt nicht, Einsprüche gegen den erdachten Firmennamen von Rechteinhabern, Zwangsgeldandrohungen des Finanzamtes, um nur einige wenige Gründe zu nennen, die heftigen Gegenwind verursachen können.

Aber merke: nach Regen folgt Sonne! Jeder Rückschlag macht stärker und erfahrener. Lernen Sie aus den Fehlern und vermeiden Sie diese in der Zukunft. Der nächste lukrative, unerhoffte Auftrag steht schon vor der Tür.



Habe ich den richtigen Support?

Steht Ihre Familie und Ihr Umfeld hinter Ihrer Geschäftsidee und glaubt man an Sie? Sie brauchen keine Jubler, sondern Menschen, die Sie, Ihre Idee und Ihre Sorgen und Mühen verstehen und nachvollziehen können. Gut gemeint ist nicht gut gemacht, hören Sie auf Meinungen von Menschen, die mit Ihrer Situation etwas anfangen können. Wenn Ihr familieres Umfeld nicht hinter Ihnen steht oder sogar noch negativen Druck ausübt, stehen Ihnen schwierige Jahre bevor.

Tipp: Suchen Sie sich externe Ratgeber, kritisch aber wohlwollend. Dies können z.B. langjährige Selbstständige, Gründungsberater, Steuerberater oder auch ggf. Rechtsanwälte sein. Suchen Sie sich Unterstützung in Verbänden, IHK´s oder Kammern und Innungen.


Bin ich bereit alles für den Erfolg zu tun?

Ohne Fleiß kein Preis, sagte schon meine Oma . Da ist etwas Wahres dran für alle, die sich mit einer Existenzgründung beschäftigen. Permanent dranbleiben, fleißig sein, Ende mit der 40 Stunden-Woche, kommunikativ sein, Netzwerke aufbauen ist oberstes Gebot. Frisch, ausgeschlafen, mutig jeden Tag so angehen, als ob es der erfolgreichste "Tag ever" werden soll. Können Sie dem Selbständigsein andere Aktivitäten unterordnen? Künftig heißt es nicht: "da kann ich keinen Kundentermin wahrenehmen", sondern "die Freitzeitaktivität x oder y mache ich ein anderes mal".


Bin ich kraetiv, innovativ und mutig genug?

Das Risiko in die Selbstständigkeit zu gehen bleibt nicht das einzige Risiko. Kann ich gut neue Ideen generieren, die Erfolgsaussichten einschätzen und dann einen geeigneten Maßnahmen- und Umsetzungsplan erarbeiten? Seien Sie immer aufgeschlossen gegeüber neuen Ideen, Entwicklungen und Trends, schauen Sie auch über den Tellerrand hinaus. Lassen Sie gesellschaftliche und soziale Trends in Ihr Leistungsversprchen einfließen. Stellen Sie von Zeit zu Zeit sich und Ihre Angebote auf den Prüfstand. Innovativ zu sein bedeutet immer auch Risiken einzugehen und mutig dafür zu kämpfen.


Bin ich neugierig genug für neue Entwicklungen und bin ich bereit zu Veränderungen?

Digitalisierung, Social Networking, Customer Journey, Vlog, sollte für Sie kein Teufelswerk sein. Althergebrachte Marketing- und Vertriebsmodelle können auch noch funktionieren, aber verschließen Sie sich nie vor Veränderungen und neuen Möglichkeiten. Bleiben Sie neugiereig und interessieret an neuen Möglichkeiten und Technologien. Als Sebstständige*r Unternehmer*in bedarf es auch Fach- nicht unbedingt Detailwissen von Themen die zu Ihrer unternehmerischen Tätigkeit gehören, sie aber nicht interessieren. Wenn Ihnen Steuerarten, Controlling, Kalkulation, rechtliche Themen, Social Media Marketing, SEO, Podcast, bloggen u.v.m. auch keinen Spaß machen, sollten zumindest die Begriffe bekannt sein und was sich dahinter verbirgt. Können Sie Vorstellungsgespräche führen, wissen Sie wie eine Gehaltsabrechnung funktioniert? - Nein? - Interessiert Sie alles auch nicht? Vielleicht sollten Sie dann nochmals überdenken, ob Sie in der Selstständigkeit richtig aufgehoben sind.



Als ich mich 1993 zum ersten Mal selbstständig gemacht habe, hatte ich auch von ganz vielen unternehmerischen Notwendigkeiten keine Ahnung und auch kein Interesse daran. Ich habe in den langen Jahren meiner Selbstständigkeit viel falsch oder auch garnicht gemacht, aber mit jedem Fehler und Rückschlag dazugelernt und gelernt diese Fehler künftig zu vermeiden. Im Laufe der unternehmerischen Entwicklung hat sich sukzessive der unternehmerische Erfolg eingestellt. Diese Erfahrungen und mein stetes Interesse an neuen Entwicklungen gebe ich heute an meine Existenzgründer*innen weiter, damit Ihr Start in die Selbständigkeit reibungsloser vonstatten geht.








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